ankerliebe

wenn du klein bist, dann sind es deine eltern und wenn du groß bist, dann ist es dein:e partner:in, vllt. sind es auch deine freund:innen oder vllt. ist es deine arbeit, oder dein:e hündin, vllt. ist es dein glaube – aber es gibt sie, diese eine liebe, die dein anker ist. die ankerliebe ist eine liebe, die dich erdet. eine liebe, die eine art zuflucht ist. eine liebe, in der man frieden findet - ein ort, ein mensch, ein glaube, eine hoffnung…und dann kommt ein panzer oder ein maschinengewehr – waffen, die von menschen geschaffen wurden, um die ankerliebe von anderen menschen zu vernichten. und dann löst sich diese liebe, die so sicher schien, rauchartig auf, weil sie die atombombe nicht überlebt hat. und wenn die ankerliebe nicht überlebt, dann kommt zuerst die verdrängungsphase und dann die trauerphase und zwischen verdrängung und trauer und wundheilung nimmt der hass einen großen, schweren platz ein – es ist kein heldenplatz! es ist ein liebloser friedhof ohne blumen und kerzen, der die schönen erinnerungen untergräbt. die schönen erinnerungen, die uns bei der wundheilung helfen, die uns versöhnlich mit der welt stimmen, sind durch all den hass nicht mehr zu erkennen – man kann sich nicht mehr erinnern. und wenn man die ankerliebe verloren hat, dann sind die erinnerungen unser notanker und wenn diese vor hass verschwinden, dann bleibt nichts übrig außer ein zerbombtes, trauriges land, das keine erinnerungen mehr innehält, keinen trost mehr spendet, kein zuhause mehr ist. und wenn man den boden unter den füßen verliert und der anker, dieses aus bleigegossene kreuz, keinen hoffnungsvollen untergrund mehr hat, an dem er sich festhalten kann, dann fällt es schwer, der welt und den menschen darin zu verzeihen. und wenn man vor lauter hass nicht mehr verzeihen kann, dann lockt die waffenmaschinerie mit einer unbarmherzigen lösung, die eigentlich gar keine lösung ist. unbarmherzig ist das leben und wenn das leben unbarmherzig ist und die menschheit auch – wo bleibt dann die barmherzigkeit? aber vllt. haben menschen, völker, länder, die ihre ankerliebe verloren haben, keine angst mehr vor der unbarmherzigkeit, vllt. haben sie keine angst mehr davor, selbst unbarmherzig zu sein. sie haben keine angst vor der kälte des krieges, weil sie gelähmt vom hass und geleitet von der unbarmherzigkeit ihrer mitmenschen sind. und alle, die wissen, wie sich eine ankerliebe anfühlt, sollten auch nachfühlen können, wie es sich anfühlt, wenn sie einem weggenommen wird. ein ankerloses leben ist keine unmöglichkeit – für niemanden von uns. und wenn ein ankerloses leben keine unmöglichkeit ist, dann ist der verlust unserer ankerliebe eine möglichkeit. und wenn dann kein hoffnungsgenährter boden übrig bleibt, weil minen und bomben und feuer ihn zerstört haben, wie sollen die ankerliebesamen dann noch überleben? und alles, was dann noch übrig bleibt, ist ein hoffnungsloser horizont? wieso nehmen wir diesen menschen und ländern ihre ankerliebe? wieso lassen wir den hass gewinnen, wenn sein gegenspieler die liebe ist? WIESO? das wieso macht uns alle ratlos, weil niemand eine antwort darauf hat, weil wir alle menschen sind und jeder von uns hat eine ankerliebe und wieso helfen wir den anderen dann nicht, wenn sie ihre verloren haben? wieso helfen wir ihnen nicht, eine liebe zu finden, die ihnen frieden gibt? und vllt. finden wir gerade, in diesem moment, keine antwort auf die frage wieso, weil es immer dinge geben wird, die wir noch nicht verstehen. aber vllt. finden wir gerade, in diesem moment, eine antwort in den dingen, die wir HEUTE und MORGEN miteinander teilen: der planet erde, die sehnsucht nach einer ankerliebe, die menschlichkeit und die notwendigkeit eines hoffnungsvollen horizontes! … und die liebe weiß, was wir so oft vergessen: gemeinsam finden wir hier raus!