Die Löwin in dir!

Manchmal höre ich sie miezen, oder eigentlich höre ich sie immer brüllen! Immer wenn mein Outfit von alten weißen Modeexperten kommentiert wird. Ich höre sie, wenn ein Sachverständiger meine verbalen Erklärungen unterbricht. Immer wenn ein Polizist versucht, mir den Unterschied zwischen einer roten und grünen Ampel zu erklären, während sich mein Fahrzeug eigentlich noch bei gelb über die Kreuzung bewegt hat. Die Löwin in mir hört auf zu brüllen, wenn der ausgestellte Strafzettel für dieses Vergehen allerdings mit einem kleinen charmanten Lächeln abbezahlt werden konnte. Manchmal höre ich sie dann trotzdem miezen, was das schlechte Gewissen in mir weckt, das mir geheuchelten Feminismus unterstellt. Die Löwin in mir hat eine Meinung, die manchmal etwas radikal erklingt. Ähnlich wie Simba hat auch sie einen Timon an ihrer Seite, der ihr mit weiser Stimme zuflüstert: „Hakuna Matata!“. Woraufhin sich die Löwin immer wieder fragt, warum auch ihr weiser Gefährte jemand sein muss, der ihr sagt: „Hey, entspann doch mal!“. Oft fühlt sie sich von Timon einfach unverstanden, vor allem, weil sie meint, dass für ihn die perfekte Welt ja schon geschaffen sei. Doch auch Timon hat sich seine Gelassenheit erarbeiten müssen. Immer wenn er aufgrund seiner schwachen Gestalt auf Tinda nach links geswiped wurde, oder zur Polizeiaufnahmeprüfung nicht eingeladen wurde, beschleichte ihn das Gefühl, nicht zu genügen. Timon will die Löwin in dir nicht klein halten. Er weiß nur einfach nicht, wie er mit dem Gebrüll umgehen soll, weil niemand vermittelt. Niemand hat ihm erklärt, was Mansplaining bedeutet. Auch er kämpft in einer kapitalistischen Gesellschaft mit seiner Rolle. Nur Pumbaa nicht - er ist das liebste Warzenschwein, das ich kenne. Pumbaa hält wenig vom Kapitalismus und vom binären System, das die beiden Geschlechter oft zu Gegnern macht. Er ist Verfechter der Liebe, in der die Macht innewohnt, das Ego des eigenen Geschlechts in den Schatten zu stellen.