drei pessioptimistische visionen

 

ich habe so ca. ein dutzend zukunftsvisionen für mein leben. wie entscheidet man sich für die richtige? hier sind drei ausführungen:

 

ich bin einmal eine hausfrau, die grüne pestos macht. jemand, der die sicherheit des eigentumhauses genießt. eine frau, die ihre kinder und vor allem töchter zu selbstbestimmten wesen erzieht. und im sommer sitze ich in meinem garten mit einer aufgeschnittenen melone und lade meine anderen mama-freundinnen ein. die kinder springen im trampolin und wir tauschen uns über tolle rezepte aus. mein haus ist IMMER aufgeräumt und meine kinder werden morgens IMMER pünktlich zur schule gebracht. natürlich habe ich mir meine figur nach den zwei schwangerschaften behalten und das sexleben zwischen mir und meinem mann ist immer aufregend, während meine kinder unschuldig ihre cornflakes (ich meine porridge oder smoothie, irgendwas gesundes halt) am frühstückstisch essen und zwar mit dem glauben, dass ihre eltern immer nur mama und papa sind und nicht mehr frau und mann. 

ein anderes mal bin ich dann diese coole frau, die ihre karriere klar und deutlich vor augen hat. alles geht mir so auf, wie ich es mir wünsche. mit frauendiskiminierung oder antifeministischen aussagen habe ich nicht zu kämpfen. außerdem vermisse ich mein privatleben zu keiner sekunde, weil die arbeit mein leben und meine liebe ist. als selbstbestimmte frau beherrsche ich selbstbefriedigung zur perfektion und repräsentiere damit emanzipation, oder repräsentiere ich damit dann vielleicht eher eine weibliche version des narzissten? KEINE AHNUNG…in dieser version von mir selbst werde ich mich bestimmt wohlfühlen!

und dann gibt es diese version von mir selbst, die einen hund hat und eine kleine wohnung mit garten, in der es eine kleine bibliothek gibt. zu weihnachten fühle ich mich nicht einsam, so ganz alleine unterm baum! und die menschen werden dann auch nicht so etwas ähnliches sagen wie: „oh mann, die ist auch übriggeblieben! naja, hat sie halt immer geglaubt, sie wird noch was besseres finden“. verpasste gelegenheiten, die liebe doch nochmal zu finde, werde ich nicht bereuen, weil ich nämlich meine bücher habe und wahrscheinlich werde ich dann auch abends vorm fernseher stricken, damit sich meine hände nicht in der schokoladentafel verlieren. 

 

STOP das klingt irgendwie alles grausam oder? gibt‘s denn eine version, die irgendwie alles hat? die familie, die karriere, den hund? naja, wie gesagt: KEINE AHNUNG! ich glaube jedenfalls, dass man in den 20ern noch naiv genug ist, um daran zu glauben – also, dass ALLES möglich ist. wahrscheinlich werde ich aber noch erkennen, dass alle versionen ihre ganz eigenen vor- und nachteile haben, deshalb heißt dieser text auch „drei pessioptimistische visionen“. zum einen, weil die pessimistin in mir sagt: „träum weiter!“ und die optimistin zu mir spricht: „träum weiter!“ (diesen satz bitte mit dem entsprechenden unterton lesen). zum anderen sind diese versionen derweil nur visionen und dazu würde die optimistin in mir sagen: „trau dich! entscheide dich für eine! alles wird gut! du kriegst das hin! knack die nuss und genieße die süße, manchmal etwas bittere frucht, die leben heißt!“