FREIHEITSLIEBE

Ob mit oder ohne Partner:innen, wir alle wollen es ab und zu fühlen: FREISEIN. Und auch wenn es schön ist, ein Zuhause zu haben, ein Sicherheitsnetz, eine Routine, die einem sagt: Hier passiert dir nichts, hier musst du dich nicht beweisen! Auch wenn es schön ist, so ein Zuhause zu haben, muss man auch ab und zu FREISEIN. Frei von Partner:innen, frei von Kindern, frei von Eltern und ab und zu muss man auch frei von Freund:innen sein. Und das heißt dann nicht, dass man diese Menschen, die Arbeit oder sein Zuhauseleben weniger lieb hat. Ab und zu tut es einfach gut, auf dem Trapez des Lebens ohne Sicherheitsnetz zu stehen. Man weiß dann zwar, dass jetzt nichts da sein wird, das einen auffängt, was Angst macht, aber genau das ist doch mit dem Wort FREIHEIT gemeint. Ich glaube nicht, dass Freiheit ohne Angst existiert, denn wenn ich frei bin, dann habe ich Angst, und wenn ich Angst habe, dann bin ich frei. Nicht frei von Angst, aber frei von Sicherheiten, die irgendwie auch immer mit Verantwortung zu tun haben: die Verantwortung, Zeit mit Freund:innen und Familie zu verbringen; die Verantwortung, sich um Kinder und Eltern zu kümmern, wenn sie es noch nicht oder nicht mehr selbstständig können. Manchmal ist FREISEIN, etwas alleine schaffen – entweder ist es dieser eine Kurzurlaub, dieser eine Schreibblog, diese eine Wanderung oder dieser eine Kinoabend. FREISEIN heißt, dass ich mir den Urlaubsort selber aussuche. Es heißt: Ich kaufe mir dieses Eis und ich muss niemanden fragen, ob er:sie mal probieren will. Es bedeutet, dass ich mein Popcorn nicht teilen muss, und es bedeutet, dass ich nicht die Nachos nehmen muss, weil meine Begleitung das Popcorn genommen hat und man möchte ja schließlich teilen! Wenn ich frei bin, dann muss ich nichts teilen: kein Essen, keine Zeit, keine Gedanken, keine Herzlichkeit, keinen Geist, keinen Humor. FREISEIN ist ein unglaubliches Gefühl! Und wenn man es geschafft hat, frei zu sein und zwar nicht frei von Angst, aber frei von hemmender Verantwortung, dann kann man sich getrost fragen: Gibt’s eig. jemanden Cooleren als mich? Ich glaube jedenfalls nicht! Und wenn man es geschafft hat, frei zu sein, dann darf man sein Superheld:innencape schon mal im Wind flattern lassen und auf dem Lebenstrapez ohne Sicherheiten, aber dafür ohne Verantwortungen, einen Negroni schlürfen und eine Zigarette genießen. Und dann darf man schon mal hinausschreien: Fuck you all, die mich mit heimlichen Fickerein klein gehalten haben. Und weil ich es geschafft habe, wieder frei zu sein, dürft ihr euer Gesicht jetzt auch frei von der Wahrung eures Ansehens und eurer Verantwortung waschen.

 – VIVE LA LIBERTÉ! 💜