italienische abschiede
diesen sommer war ich auf sizilien. der abschied ist mir nicht leicht gefallen! aus melancholischer und nostalgischer stimmung heraus, entstand folgender abschiedsbrief:
liebes italien,
abschiede tun weh! weil man nicht weiß, wann und ob man sich überhaupt wiedersieht. bei abschieden ist es ja so, dass man immer glaubt, besser kann es nicht werden. nie wieder werde ich solche kulinarischen orgasmen erleben. keiner mehr da, der einen zum lachen bringt. vorbei mit den sonnenstrahlen und den romantischen bädern in einem meer aus wein, aperol, negroni und joghurteis. außerdem macht einen das ego zu schaffen, weil man weiß, dass bald schon jemand anderer bei dir einreisen wird. diesen jemand wirst du dann bekochen, verwöhnen und du wirst ihm:ihr:es ein vorübergehendes zuhause schenken. ABER (und es gibt immer ein aber, weil wir aus angst vor dem fremden zu kategorialen denkenden erzogen worden sind und deshalb existiert das schwarz ohne dem weiß auch nicht) abschiede können auch schön sein. sie bedeuten nämlich neue abenteuer. sie bedeuten neue herausforderungen. sie bedeuten ein gefühl, das man nur zwischen abschied und neubeginn hat, und zwar, dass trotz schwitziger hände einfach alles möglich ist. vor allem aber bedeuten sie neue geschichten und neue menschen, die sich am anfang nicht ganz so nach zuhause anfühlen, aber es vielleicht irgendwann werden können.
bis dahin, lass mir den rotwein reifen und den aperol nicht ausgehen!
und hätte ich mich tatsächlich getraut, den brief abzuschicken, dann hätte italien zurückgeschrieben:
liebes annarrativ,
ich bin wirklich gerührt von deinen zuckersüßen worten! ich mag deinen naiven, unberührten und romantischen blick aufs leben. du bist echt hübsch, total umgänglich und ab und zu bist du auch etwas verplant (habe übrigens deine fünf sonnenbrillen noch, die gebe ich beim landesweiten fundbüro zur freien entnahme ab – vllt. haben die anderen touris ja ihre freude damit). aber lass dir eines gesagt sein: manchmal sind abschiede einfach nur abschiede. sie bedeuten keine neuen herausforderungen, keine neuen menschen und manchmal bedeuten sie auch auf nimmerwiedersehen. manchmal sind abschiede einfach nur scheiß traurig und dann bleibt dir die erinnerung und der spruch: „it is what it is“. trotzdem ist es irgendwie süß, dass du dinge weißmalst, obwohl sie eigentlich schwarz sind. die meisten menschen sind ja ziemlich gut darin, sich dinge schön zu reden, deshalb passt du gut in diese spezies.
bis dahin: der rotwein wartet auf dich und den aperol kannst du nächstes jahr bestimmt wie auf malle aus litereimern trinken.
addio mi@ cara <3